Radrennen Eschborn-Frankfurt

1. Mai 2022; Bericht von Claudia und Christina

Mit bis zu 6000 Teilnehmern ist der Radklassiker am 1. Mai im Rhein-Main-Gebiet inzwischen auch unter Hobbysportlern sehr beliebt. Abgestuft je nach Gusto kann man 40 km durch Frankfurt, 88 km und 1450 hm auch durch den Taunus oder 100 km und 1700 hm fahren. (Die Profis nehmen auch die 100 km Strecke, fahren jedoch mehr Schleifen, damit sie auf 185 km kommen.) Nach 2020 und 2021 durfte das Rennen 2022 endlich wieder am ursprünglichen Termin fast ohne Corona-Auflagen stattfinden.

Roberto, Claudia, Martin und Sören freuen sich auf die Tour

Roberto, Claudia, Martin und Sören freuen sich auf die Tour

Inzwischen ist es fast Tradition, dass sich vom Belc immer eine Gruppe von Startern zusammenfindet. Dieses Jahr waren es
Martin Abesser: 100 km
Sören Hommel: 100 km
Roberto Sborzacchi: 88 km
Claudia Schwarz: 100 km
Christina Vennemann: 88 km

Claudias Bericht

Roberto mit Ross - alles bereit!

Roberto mit Ross – alles bereit!

Claudia freut sich auf die Tour

Claudia freut sich auf die Tour

Weil so viele in den letzten Jahren von dem Rennen berichtet hatten und nach aktiver Ansprache durch Martin habe ich mir dieses Jahr ein Herz gefasst und mich schließlich angemeldet, sicherheitshalber erst, nachdem eine Testfahrt auf der Bergstrecke im Taunus einigermaßen funktioniert hatte. So stand ich also gegen 8:30 mit Martin, Sören und Roberto zitternd im Startblock 4. War das Zittern jetzt mehr wegen Aufregung oder Kälte? Wie auch immer, als wir gegen 9 Uhr durch den Start rollten, war das alles vergessen.

Gefühlte 5 Minuten später waren wir schon in Frankfurt. Es ist schon ein erhebendes Gefühl, so mitten über die nur für uns gesperrten breiten Frankfurter Straßen zu rauschen. Rechts vor links, Ampeln, Vorfahrt: Alles egal. Nur Windschatten und Obacht in den Kurven zählen. Bei ca. 90% männlichen Teilnehmern hat das mit dem Windschatten ziemlich gut für mich geklappt. 😊 Auf der Rosa-Luxemburg-Straße Richtung Oberursel konnte ich mich an eine schön breite Gruppe hängen und einfach im 35er Schnitt mitrauschen. Irgendwo da muss ich Martin auch aus den Augen verloren haben. In Oberursel: rauf, runter, rechts, links, Kopfsteinpflaster, wunderschöne Altstadt und tolles Stimmungsnest. An der Hohen Mark begann der eigentliche Berg, also runter auf das 2. Blatt und einfach geduldig strampeln.

Langsam rückt das Starterfeld vor

Langsam rückt das Starterfeld vor

Das nächste Stimmungsnest an der Applauskurve gab noch einmal richtig Schub, weil die Musik im genau richtigen Rhythmus hämmerte oder der Bratwurstgeruch meine Nase störte oder einfach weil es wieder etwas flacher wurde? An der Verpflegungsstelle am Sandplacken stopfte ich mir ein paar Salzbrezeln und eine halbe Banane in den Mund, dann weiter zum letzten Rest des Anstiegs zum Feldberg. Oben, kurz die Jacke wieder zumachen und auf nach unten. Dass mich dabei die massereicheren Männer überholten, hatte ich erwartet. Ich fand meine Höchstgeschwindigkeit von 68 km/h trotzdem nicht langsam. So rauschten wir durch Niederreifenberg, dann wieder hoch, um wieder runter durch Oberems jagen zu dürfen. Landschaftlich begann hier der schönste Teil der Strecke, blühende Obstbäume und weiter Blick in den Hintertaunus. Dann mussten wir wieder raufstrampeln nach Glashütten, um dann wieder Geschwindigkeit bergab genießen zu dürfen.

Roberto, Martin und Claudia - strahlend an den Start

Roberto, Martin und Claudia – strahlend an den Start

Der Anstieg nach Ruppertshain war dann nicht mehr ganz so locker. Da war das 1. Blatt (sonst verschmäht) doch ganz praktisch. Aber alle diese Anstiege sind zum Glück nicht sehr lang. Nach der langen Abfahrt Richtung Bad Soden fand ich wieder eine Gruppe mit passendem Windschatten. Dass wir in Schwalbach an der Trennung zwischen 88 km und 100 km vorbei waren, fiel mir nur auf, weil ich danach gefragt wurde. Noch durfte ich etwas Windschatten und Geschwindigkeit genießen, bis der letzte Anstieg nach Mammolshain kam. Auch hier war wieder ein tolles Stimmungsnest. Aber hier war auch das steilste Stück, fühlte sich zumindest so an. Das Feld war immer noch relativ dicht. So siegte für mich Sicherheit vor Eitelkeit und ich schob diese Meter hinauf. Auf einen Sturz, weil ich dann doch umkippe und im Eifer des Gefechts mit jemandem zusammenstoße, hatte ich keine Lust. Nach einem letzten ruhigen Waldanstieg waren wir dann am Königsteiner Kreisel (für uns gesperrt!). Dann abwärts rauschen, Juchhu! Auf der breiten Straße nach Eschborn konnte ich mich wieder an eine gute Gruppe hängen und mit >40 Sachen ins Ziel fliegen. So war nach etwa 3,5 Stunden alles geschafft.

Die Tour ist geschafft!

Die Tour ist geschafft!

Fazit: Rausch der Geschwindigkeit und Berge. So kann man das wohl nur auf einem Radrennen erleben. Zwischendurch wunderschöne Landschaft. Warum habe ich das eigentlich nicht schon früher mitgemacht?

Ergebnisse der Belc 89 Starter
Name Startnr. Strecke AK Platz Pl.AK km/h Ø Ankunft Nettozeit
Claudia Schwarz 5014 100 km Master 3 75 6 28,41 12:42:19 03:28:14
Dr. Martin Abesser 3501 100 km Master 3 2218 463 27,32 12:50:39 03:36:35
Sören Hommel 4046 100 km Master 2 2653 670 25,72 13:04:07 03:50:00
Roberto Sborzacchi 6269 88 km Master 3 709 226 23,54 13:25:33 04:11:22
Christina Vennemann 6450 Berg   345 01:11:23

 

Christinas Erfahrungen

Dieses Jahr habe ich mich ganz mutig für die Express Tour durch den Taunus inklusive Feldberg angemeldet. Im vorigen Jahr fuhr ich die kurze Skyline-Tour, was riesigen Spaß machte. Deshalb hatte mich der Ehrgeiz gepackt, die längere Tour inklusive Feldberg in Angriff zu nehmen. Nur leider unterschätzte ich die Strenge des Reglements etwas. Nachdem auf dem Kopfsteinpflaster von Oberursel mein Radcomputer aus der Halterung gerissen war und über die Straße kullerte, fuhr ich etwas verärgert im „Blindflug“ weiter. Ja, ich war nicht die schnellste am Feldberg, überquerte ihn aber tapfer, bin die rasende Abfahrt ins Tal gesaust und dann wieder einigermaßen vergnügt durch den beschaulichen Hintertaunus gerollt.

Am Anstieg nach Glashütten passierte es dann: Ein Auto hielt unverhofft neben mir und zwang mich zu einer Vollbremsung im Anstieg. Ein Mann stieg aus und riss mir die Schilder vom Rad. Da war ich doch sprachlos. Da hinter dem PKW ein chicer Linienbus des Verkehrsverbundes hielt, stieg ich dort ein. In Erwartung, der Bus würde direkt nach Eschborn fahren, nahm ich einen Stehplatz ein, denn ich war ja durchaus fit. Allerdings fuhr der Bus nun die ganze Strecke ab und sammelte diverse weitere Radler ein – immer das gleiche Spiel: Vollbremsung, Schilder abreißen, RadlerInnen sprachlos zurücklassen. Ich kann verstehen, dass die Strecke für die Profis frei sein muss, aber muss man dann noch Radler vom Mammolshainer pflücken? Oder gar 5 km vor dem Ziel, mit Eschborn in Sichtweite?

Christina hatte die 100-km-Strecke in Angriff genommen

Christina hatte die 100-km-Strecke in Angriff genommen

Jedenfalls denke ich viel lieber an mein Radrennen vor drei Wochen zurück: Das Jedermann-Rennen des Amstel Gold Race in Süd-Limburg (Nähe Maastricht, klassisches Eintagesrennen). Meine Strecke ging über 100 Kilometer mit 965 Höhenmetern (Ausläufer der Ardennen!). Es gab einen fliegenden Start in einem Zeitfenster und zwei Verpflegungsstationen mit holländischen Waffeln und Musik vom DJ. Alle Teilnehmer (hauptsächlich Niederländer) waren glücklich, hatten Spaß und fuhren sportlich ihre Strecken. Es waren weitere Streckenlängen von 125, 150 und 200 km im Angebot. Im Ziel gab – na klar – es ein leckeres Amstel-Bier. Da das Profirennen erst am Folgetag stattfand, war Zeitdruck ein Fremdwort. Dies gefiel mir bedeutend besser. Die Niederlande sind eh für mich das Radsportparadies.

Beim Amstel Gold Race ging's bis ins Ziel

Beim Amstel Gold Race ging’s bis ins Ziel