Polar Night Halbmarathon in Tromsø/Norwegen
3. Januar 2026
Roberto Sborzacchi, seit etwa 10 Jahren Mitglied des Vereins BELC89 hatte schon seit längerer Zeit einen besonderen Wettkampf auf seinem Laufwunschzettel. Er wollte einmal in seinem Leben einen Lauf im hohen Norden bestreiten und dabei der Magie des Nordens, speziell des Nordlichtes (Aurora Borealis), erliegen. Bei der Suche nach einem Reiseveranstalter wurde er schnell fündig, seine Wahl viel auf „Laufreisen“ aus Dortmund. Diese machten Werbung mit dem Slogan „Marathon mit Aurora Borealis, der Tromsø Polar Night Marathon macht dies möglich“.
Tromsø, eine Stadt mit ca. 80.000 Einwohnern in Nord-Norwegen, immerhin 344 km nördlich des Polarkreises, der geographischen Breite von Nord-Alaska entsprechend, bietet in jedem Jahr einen Polar Nacht Marathon. Nicht nur die 42 km werden ausgeschrieben, auch einen Halbmarathon, die 10 km und die 5 km stehen auf dem Programm. Zur Sommersonnenwende im Juni veranstaltet Tromsø einen Sommersonnenwende-Marathon an gleicher Stelle wie im Januar.
Diese Breiten sind gewöhnungsbedürftig. Ungefähr vom 18. Mai bis zum 25. Juli geht in Tromsø die Sonne (Sommersonnenwende/ Mitternachtssonne) nachts nicht vollständig unter, dafür erlebt man im Zeitraum vom 26. November bis zum 17. Januar keinen Sonnenaufgang.
Lassen wir nach dieser opulenten Einleitung einmal Roberto zu Worte kommen. Er hat dem Redakteur einen bewegenden Bericht gesendet.
Früher habe ich mir die Urlaube nach Schönheit, Erholung und Spaß herausgesucht. Jetzt ist es fast genauso, jedoch mit dem Unterschied, dass ein Lauf dabei ist, der den Urlaubsspaß noch erhöht. Meine Frau und ich wollten schon seit längerer Zeit eine Reise in den hohen Norden mit dem Postschiff zum Nordkap machen, dabei die Nordlichter und Schönheit Norwegens genießen. Beim Blättern in der Broschüre von www.laufreisen.de fand ich den Polar-Night-Lauf. Also, mit großem Interesse gelesen, überlegt, mit dem Anbieter gesprochen und letztendlich gebucht.
Tromsø ist eine Stadt mit vielen Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten. Die Arktische Kathedrale (nördlichste Kirche der Welt), die Nördlichste Universität der Welt mit 11.000 Studenten, der nördlichste McDonald und vieles andere, was man erkunden und machen kann. Aber halt, da war ja noch das Laufen: Vor dem eigentlichen Wettkampf noch zwei Trainingsläufe gemacht. Einer davon war kalt und trocken, der andere kalt mit Schnee und Wind, beide bei kuscheligen -8 °C.
Am Freitag, dem 2. Januar, gemeinsam mit der Laufgruppe die Startunterlagen geholt. Es war ein Raum im Souterrain eines großen Bankgebäudes mit einer Größe von höchstens 10×10 Meter, ein paar Tischen für die Nummern und einige zum Verkauf von Andenken (Mützen, Buff, Ohrenschützer, Shirts und Jacken). Alles sehr übersichtlich und klein. Also nicht zu vergleichen mit der Festhalle beim Frankfurt Marathon. Am Abend fand die Pasta Party statt, sehr entspannt, ohne Gedränge. Es gab vier Sorten von Pasta (Hähnchenstücke, Rinder Hackfleisch, Fisch und Pesto).
Dann kam der Tag des Laufs. Ich war etwas aufgeregt und gespannt, wie es werden wird. Es waren schließlich einige neue Umstände. Spikes an den Schuhen, -9 °C auf dem Thermometer, aber gefühlte -15 °C draußen an der Strecke. Das Hotel befand sich nur fünf Minuten vom Start/Ziel entfernt, deshalb startfertig gemacht (es war nicht einfach, das richtige anzuziehen, zu viel oder zu wenig), kurz vorm Start hingelaufen und los. Die Stimmung war super, schönes Aufwärmprogramm für alle mit zwei Vorturnern auf der Bühne und flotter Musik. Endlich ging es um 15 Uhr los mit dem Halbmarathon. Die Strecke verlief auf schneebedeckten Straßen und Gehwegen in Richtung Flughafen und dann wieder zurück. Um diese Uhrzeit war es schon stockdunkel, aber die Strecke war durch die Straßenlaternen gut beleuchtet. In den Wohngebieten wurde die Strecke rechts und links mit großen Kerzen markiert.
Eine ganz tolle Atmosphäre: leise, man hörte nur die Schritte mit den Spikes und das eigene Atmen/Schnaufen. Ab und zu hat man sich kurz unterhalten oder kurz angehalten zum Fotografieren. Zuschauer waren nicht viele, aber die wenigen waren sehr laut, lustig, fröhlich, haben norwegische Flaggen geschwenkt. Erst auf dem ca. 1 km langen Zieleinlauf wurde es lauter.
An der Strecke gab es eine Verpflegungsstelle die durch die Wendeschleife 2-mal bedient wurde. Es gab Wasser, Iso und Tee, alle drei Getränke waren eiskalt, sehr langsam trinken war angesagt. Im Ziel gab es heißen Blaubeersaft (seeehr gut!) und Bananen (gefrorene 😂). Nach den anspruchsvollen, hügeligen (190 Höhenmeter), außergewöhnlichen, unvergesslichen und einmaligen 21 km bin ich mit 2:15:31 Stunden glücklich durchs Ziel gelaufen. Es war eine sehr schöne und bleibende Lauferfahrung mit Spikes bei extremen Kälte. Insgesamt waren es ca. 2.000 Läufer in allen Kategorien (Marathon, HM, 10 km und 5 km). Die Orga vom Veranstalter war gut. Alles hat funktioniert. Kompliment!
Fazit: Das war ein einmaliges Erlebnis und Abenteuer. Toller Lauf. Aber auch die Anwesenheit in Nordnorwegen war sehr schön. Tolle Landschaften (leider waren es immer nur drei Stunden Zeit, weil es gleich wieder dunkel wurde), Husky-Schlitten-Fahrt, viele Sehenswürdigkeiten, Busreise, um Nordlichter zu sehen (leider keine gesehen, bewölkt und starker Schneefall), das ist nun mal die Natur. So haben wir einen Grund, nochmal hinzufahren. Was bleibt ist „Norwegen ist eine Reise wert“.
Nachtrag: Die Reise von Roberto nimmt in der BELC-Laufstatistik einen besonderen Platz ein. Seit der Gründung von BELC im Jahre 1989 hat noch niemand unter den oben beschriebenen klimatischen Bedingungen einen Wettkampf durchgeführt. Man muss sich überlegen, man läuft einsam auf der Straße, Licht spendet nur die Stirnlampe, viele 100 m vor sich ein tanzendes Lichtlein eines anderen Läufers, außerhalb von Tromsø hinter sich die stockdunkle Nacht. Es fühlt sich ab und zu so an, als wäre man ein Einzelstarter. Buchtipp: „Die Einsamkeit eines Langstreckenläufers“ (A. Sillitoe, 1959). Es ist ein Ratgeber, der die Loneliness/Einsamkeit beschreibt.
In der im Internet ausgewiesenen Ergebnisliste ist zu lesen, dass beim Halbmarathon hinter den Namen von ca. 175 Personen DNS steht, „did not start“. Das ist Sammelbegriff für z.B. DNF „did not finished“, DSQ „disqualified“, sowie FAS „found after snow melt“ oder DBI/DBW „death by ice bear/ death by wolf“.
Laut unbestätigten Berichten soll Roberto nach dem Lauf bei der „cool down“-Sequenz die Eistonne verschmäht haben. Nachvollziehbar. Vielmehr legte er beim After-Run-Video im Saal einen heißen Tanz auf das Parkett.














