Paris–Roubaix – „Die Hölle des Nordens“ – 2026
9. April 2026
Paris–Roubaix ist eines der berühmtesten und härtesten Eintagesrennen im Straßenradsport. Der Klassiker wird seit 1896 ausgetragen und führt über zahlreiche Kopfsteinpflaster Passagen (Pavé) durch Nordfrankreich, die das Rennen extrem anspruchsvoll und unberechenbar machen. Das Ziel liegt traditionsgemäß auf der Radrennbahn in Roubaix. Aufgrund seines einzigartigen Charakters trägt das Rennen auch den Beinamen „Hölle des Nordens“. Paris–Roubaix zählt zu den fünf Monumenten des Radsports, der Gruppe der prestigeträchtigsten Eintagesrennen, zu denen außerdem Mailand–Sanremo, die Flandern Rundfahrt, Lüttich–Bastogne–Lüttich und Il Lombardia gehören.
Unser neues Vereinsmitglied Carsten, in Social Media auch als „Bembelfietser“ unterwegs, hat an der Jedermann-Variante am Tag vor dem Profirennen teilgenommen. Christina hat ein Interview mit ihm geführt, das im folgenden wiedergegen ist.
Christina: Carsten, was fasziniert Dich so an Paris-Roubaix im Vergleich zu den anderen Monumenten?
Bembelfietser: Jedes Monument hat seinen eigenen Charakter. Zuvor bin ich bereits die Flandern-Rundfahrt und Lüttich-Bastogne-Lüttich gefahren. Die „Königin der Klassiker“ ist natürlich ganz anders. Wind und Kopfsteinpflaster, dafür keine Anstiege. Der Reiz liegt in der Historie: Als Kind habe ich Roger de Vlaeminck und Francesco Moser im Fernsehen bejubelt und davon geträumt, dort einmal zu fahren. Und als Krönung die Einfahrt ins Velodrom von Roubaix, nur Stunden vor den Profis. Adrenalin und Gänsehaut pur!
Christina: Ich habe mir die Kopfsteinpflaster (Pavés) angesehen, meines Erachtens nach ist hier der Traktor das geeignetere Verkehrsmittel. Wie hast Du Dich darauf vorbereitet und was war Deine radtechnische Ausstattung?
Bembelfietser: Wie hat mein Mechaniker vor Paris-Roubaix gesagt? „Das ist alles einfach, man muss nur den Lenker festhalten.“ Genau da liegt das Problem. Man braucht eine Mindestgeschwindigkeit, um die Pavés zu fahren, dann spürt man die Einschläge weniger. Ich bin mit einem Alu-Gravelbike gefahren, mit 35-mm-Reifen. Damit kommt man noch halbwegs über die 117 km Asphalt, aber eben auch über die 30 km Pavés. Pogacar fährt übirgens auch 35-mm-Reifen.
Christina: Welche Strecke hast Du gewählt? Wie hoch war der Anteil an Kopfsteinpflaster? War es „die Hölle“?
Bembelfietser: Man muss schon ein bisschen verrückt sein und diesen Sport lieben, um dort zu fahren. Was hat mich ein Bekannter gefragt? Liebst Du Dein Fahrrad denn gar nicht? Ich habe die mittlere Strecke mit 147 km gewählt, die 30 km über Kopfsteinpflaster führt. Es ist verrückt, und man muss sich an das Kopfsteinpflaster gewöhnen. Leider gibt es auch Stürze und sehr, sehr viele Defekte. Insofern passt die Analogie zur Hölle.
Christina: Und wie verlief die Fahrt?
Bembelfietser: Die Sorge sind Stürze und Defekte. Mit zunehmender Fahrtzeit wächst die Zufriedenheit und das Selbstbewusstsein. Die ersten 52 km sind Asphalt, dann kommt der sagenumwobene Wald von Arenberg: 2,3 km schnurrgeradeaus über den schlimmsten Kopfsteinpflastersektor des Rennens. Die Sektoren sind nach Schwierigkeitsgrad mit Sternen klassifiziert. Oberhalb der 5 Sterne des Waldes von Arenberg gibt es nichts mehr. Irgendwann – spätestens nach dem berühmten Carrefour de l’Arbre – weiss man, dass man es geschafft hat, und dann ist das Ekstase pur. Mit jedem Kilometer näher zum Velodrom wächst die Begeisterung. Ich hatte keinen Defekt und bin nur einmal harmlos weggerutscht, die Hose hat ein Loch und der Oberschenkel einen blauen Fleck.
Christina: Ich weiß, dass Du vor zwei Jahren diese Jedermann-Variante schon einmal mitgefahren bist. Wie wird man denn bei dieser großen Herausforderung zum Wiederholungstäter? Wie lief es 2026 im Vergleich zu 2024?
Bembelfietser: Der Adrenalinstoß im Wald von Arenberg oder im Velodrom kann süchtig machen. Und: Das Vertrauen in die eigene Steuerkunst wächst mit der Erfahrung. Ich war 2026 schneller als in 2024, weil ich die Erfahrung des ersten Mals nutzen konnte.
Christina: Wirst Du es nochmal tun?
Bembelfietser: Das Herz sagt: „Sofort!“ Der Verstand sagt: „Mit 58 Jahren solltest Du auch mal an die Risiken denken.“ Aber ja, ich werde noch einmal Paris-Roubaix fahren wollen. Ein drittes und letztes Mal!





