Hawaii_2025_Panorama

Ironman World Championship Hawaii 2025

11. Oktober 2025

Vier Wochen ist es nun her, dass ich am Pier von Kailua Kona an den Start gegangen bin. Ich kann es immer noch nicht fassen – ich, Corina, Hobbysportlerin mit Wurzeln in einem kleinen Schwimmverein in Nordhessen. Ein letztes Mal wurde die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii nur für die Frauen ausgetragen. Aus der ganzen Welt trafen sich hier 50 Profis und ca. 1.800 Agegrouper, um „das schwersten Triathlon-Rennen“ zu bestreiten oder – soweit möglich – auch einfach nur zu genießen.

Meinen Bericht zum Ironman Frankfurt habt ihr ja gelesen. Wie es dazu kam, 2025 in Frankfurt zu starten, habt ihr ja bestimmt noch in Erinnerung. Zwischen dem IM Frankfurt und dem Start in Hawaii lagen drei anstrengende Monate. Eigentlich war ich ja auf Ausruhen eingestellt – nun hieß es jedoch weiter trainieren. Während der Vorbereitung hatte ich ein paar Hochs und auch heftige Tiefs. Sehr geholfen hat mir, wenn ich mal wieder Tempo- oder Bergläufe machen musste, dass sich meine Laufclub-Mitglieder und -Freunde ganz selbstlos auf meinen Plan eingestellt haben, einfach mitgekommen sind, mich gezogen und ermutigt haben. Danke sehr!

Beim Einchecken

Beim Einchecken

Also nun aber zum 11. September. Um vier Uhr klingelte der Wecker. Ich hatte gut geschlafen, dann mein gewohntes Hafer-Bananen-Frühstück, anziehen und los. Mein Mann hat mich zum Start gebracht – wir waren so früh, dass wir ohne Stau und Verkehrssperrungen nah an den Start kamen.

Auch beim Training hieß es schon: Ab in die Wellen!

Auch beim Training hieß es schon: Ab in die Wellen!

Meine Startgruppe war um 7:20 Uhr an der Reihe, und es war ein Wasserstart angesagt. Das Meer zeigte sich gewohnt warm, aber wellig. Ich freute mich auf das Schwimmen. Nach dem Start war es ein ziemliches Gedränge, und ich fand nicht so die Ideallinie – das war mir aber lieber, als mich den Tritten und Kratzern auszusetzen. Es ging dann gut, bis ich am Wendepunkt Wasser in der Brille hatte und immer mal anhalten musste, um dies zu entfernen. Nie hatte mich meine Brille im Stich gelassen, aber der Wellengang hat seinen Tribut gefordert. Ich war froh, als ich aus dem Wasser kam – und es war nicht so langsam, wie es sich angefühlt hatte.

 
Begeisterung pur

Begeisterung pur

Auf der Radstrecke

Auf der Radstrecke

In der Wechselzone ging es gut voran: erst mal Salzwasser abduschen, dann aufs Rad. Mein Rad sollte mich heute nicht im Stich lassen – hatte ich vorher doch ein paar Probleme mit Schläuchen und Schaltung gehabt. Schön war die Fahrt raus nach Hawi. Noch mit etwas Rückenwind fühlte es sich locker an. Ich schaute rechts und links und dachte: „Nicht verzocken auf dem Rad! Genieße, was du gerade tun darfst!“ Bis zum Wendepunkt wurde es immer heißer, der Wind kam mehr von der Seite, die Lavalandschaft aus den Fernsehbildern war real. Endlich war der Wendepunkt da, und meine Familie hatte tatsächlich den Ritt bis hier raus gemacht, um mich für ein paar Sekunden zu sehen und anzufeuern. Jetzt zurück!

Der Rückweg zog sich leider wie Kaugummi. Alle meine Vereinskolleginnen1) hatten mich nun überholt, der Rücken schmerzte, die rechte Schulter zog sich zu, die Riegel lösten sich in quietschsüßen Brei auf, sodass ich meine Ernährungsstrategie auf den letzten 50 km nicht konsequent umsetzen konnte. Wann kommt denn endlich das Ende der Bike-Strecke und damit die Erlösung, einen Marathon laufen zu dürfen?

Auf dem Weg zum Ziel

Auf dem Weg zum Ziel

Zurück in Kona war es ziemlich heiß geworden. Ich war ein bisschen leer aufgrund der fehlenden Kohlenhydrate – zum Glück hatte ich ja meine Gels jetzt wieder. In Kona dampfte es ziemlich. Es hatte in der Nacht geregnet, und nun war die Sonne voll am Abkochen der Feuchtigkeit.

Ungewohnt für mich – die ersten Kilometer zogen sich wie Kaugummi. Ich hatte doch ein paar Federn gelassen beim Radfahren. Bis Kilometer 10 erreicht war, hat es gefühlt ewig gedauert. Die Palani Road hochzugehen, hatte ich mir nicht so vorgestellt, so viele Hügel ich in der Vorbereitung auch gelaufen bin. Aber es wird ja nicht umsonst das härteste Rennen genannt – Hawaii hat seine eigenen Regeln. Keine Sorge, es gibt ein Happy End!

Als ich dann die Palani Road oben war, wurde es ab da immer besser. Die Sonne ging langsam unter, es wurde kühler. Ich guckte nach links und sah den schönen Pazifik, ich guckte nach rechts und sah die Lavafelder. Kneif mich mal jemand – ich bin gerade auf Hawaii und darf an der WM teilnehmen!!

Im Ziel! Der Ironman Hawaii ist geschafft!

Im Ziel! Der Ironman Hawaii ist geschafft!

Betreuer samt Blumenkette sind dabei

Betreuer samt Blumenkette sind dabei

Richtung Energy Lab habe ich immer mehr Lust und Kraft bekommen, habe mich an jeder Verpflegungsstation abgekühlt – Eis in die Kappe, verpflegen und weiter. Der Sonnenuntergang, auf den ich zulief, war einfach nur magisch. Das Bild wird immer in mein Gedächtnis gebrannt sein. Es war auf den letzten 15 km dann stockdunkel, viele waren mit Stirnlampen unterwegs, weil ja keine Beleuchtung da draußen auf dem Highway ist. Bei mir lief es eigentlich immer besser. Unten in Kona war wieder meine Familie, und die Stimmung war grandios. Im Zielkanal überkamen mich Freude, Stolz und Erleichterung, es geschafft zu haben. Eigentlich hatte ich bis zum Schluss nicht daran gezweifelt, ins Ziel zu kommen – erst die Medienberichte über die ausgestiegenen Favoritinnen haben mich richtig ehrfürchtig werden lassen.

Der schwer verdiente Lohn

Der schwer verdiente Lohn

Alles auf einen Blick

Alles auf einen Blick

Ich bin so dankbar für diese tolle Erfahrung und werde ein bisschen „Aloha“ immer im Herzen tragen. Und wer weiß – vielleicht komme ich in 15 Jahren noch mal wieder. Nun jedoch ist erst einmal: **Off-Season** – gemütliche Belc-Läufe und gelegentliches Fotos-Angucken.

Danke allen die mitgefiebert und sich die Nacht um die Ohren geschlagen haben, bis ich morgens dann endlich in der Live-Cam-Übertragung über die Ziellinie gekommen bin. Es war einfach zu rührend, wie ich von meinem Belc-Team beim Marathon-Stammtisch mit einer heimischen Blumengirlande geehrt wurde. Ihr seid die besten!!

1) Es waren 10 Iron-Ladies der Eintracht Frankfurt am Start, drei davon in Corinas AK.