Engadiner Sommerlauf
10. August 2025, von Christina
„Hopp Schwiiz!“, so beginnen wir einmal einen Laufbericht von Christina, abgefasst nach ihrer Tätigkeit bei unserem südlichen Nachbar, der Schweiz. Sie schickte der BELC Redaktion einen ausführlichen Bericht, abgefasst in 3 Varianten. Diese wurden miteinander verbunden, dann geschüttelt (nicht gerührt), ausgegossen und anschließend zu diesem Laufbericht geformt.
Christina war im Engadin aktiv. Das Engadin ist ein Hochtal im schweizerischen Kanton Graubünden. Es ist eines der höchstgelegenen bewohnten Täler Europas und mehr als 80 km lang. Nicht nur landschaftlich hat dieser Kanton viel zu bieten, auch sprachlich ist er sehr interessant. Die Hauptsprache dort ist Bündnerromanisch, eine Sprache, bestehend aus zwei rätoromanischen Idiomen mit jeweils eigener Schriftsprache. Nicht zu verwechseln mit dem Friaulischen (Udine) und dem Dolomitenladinisch.
Nach dem linguistischen Sprengel nun zum eigentlichen Lauferlebnis. Ein für Christina nicht einfacher Lauf, aber auf den Fotos trotz einiger Höhenmeter und der Höhenlage immer lächelnd. Sie schickte einen bewegenden Laufbericht an die BELC-Redaktion, Zeilen die den Vereinsmitgliedern nicht vorenthalten werden dürfen:
„Im schönen Engadin durfte ich mich schon häufiger aufhalten, hauptsächlich im Dezember zum vorsaisonalen Skifahren. In diesem letzten Monat des Jahres, steht die Skisaison noch in den Startlöchern. Die Pisten sind so leer, dass man fast das Echo seiner eigenen Schwünge hört. Da das Tal des Inns auf der Alpensüdseite liegt, wird man vom Wetter sehr verwöhnt und genießt im Dezember in der Regel knackige Kälte bei strahlendem Sonnenschein. So ergab es sich, dass ich im Winter durch Zufall irgendwo Werbung für den Engadiner Sommerlauf erspähte und beschloss, daran teilzunehmen. Ich wollte doch einmal die schweren Skischuhe gegen die leichteren Laufschuhe eintauschen. Ruck zuck war ich angemeldet und dachte mir: Fünf Seen, 23 Kilometer flussabwärts – das klingt nach einem Spaziergang in Laufschuhen. Die Strecke führt vorbei an den Seen von Sils, Silvaplana, Champfer, St. Moritz und Staz – ein landschaftliches Buffet für die Augen.
Kurz vor der Abreise gönnte ich mir einen 10-km-Tempolauf im Ried mit Claudia und Johann (im Verein mit die schnellsten Personen) – quasi das Sahnehäubchen auf meinen Trainingskuchen. Ich fühlte mich bereit wie ein Schweizer Taschenmesser (aber ein Taschenmesser klappt auch ab und zu zusammen). Um es kurz zu machen: Das Ganze war echt ein Traum. Ich hatte phantastisches Wetter: Um die 20 °C und strahlender Sonnenschein. An der Stecke standen viele Schweizer mit Kuhglocken zum Anfeuern. Die ersten 15 Kilometer liefen wie am Schnürrchen und ich sah mich schon mit einer persönlichen Bestzeit und wehenden Haaren über den Zielstrich zu laufen. Aber dann kam der letzte See, der Stazer See, der umrundet werden wollte. Und da merkte ich, dass ich in der Schweiz bin, es ging nur bergauf und bergab. Teilweise musste ich diese Rampen erwandern, beim Laufen ging mir die Puste aus, ich war ja auch dauerhaft auf etwa 1.800 Metern über NN. Das war so die Situation, wo die Lunge das Heft in die Hand nahm und mir die weitere Vorgehensweise diktierte. Insbesondere das Berablaufen drückt ganz schön auf die Knie, das kannte ich bislang noch nicht. Aber egal, am Ende noch schön gespurtet, so dass ich nach 2 Stunden und 30 Minuten im Ziel ankam. Insgesamt stand dann die Überwindung von 234 Höhenmetern zu Buche, wobei ich eine max. Höhe von 1.842 Metern über NN erreichte. Da war für mich die Luft ziemlich dünn. Aber mit meiner Laufzeit konnte ich zufrieden sein. Anschließend ab an den See, die Beine kühlen und abends lecker Raclette essen. Der Tag war gelungen.“






