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Benefizlauf
(von Anna Bemb, Alfred Traue, 28.09.2014)
Lauf mit lauter Gewinnern

Bericht von Anna Bemb

140 Menschen mit und ohne Beeinträchtigung liefen gestern für den guten Zweck im Enkheimer Ried. Organisiert hatte die Benefizveranstaltung der Bergen-Enkheimer Lauflcub, der damit sein 25-jähriges Bestehen feierte.

Auf die Plätze, fertig, los: 140 Starter fiebern dem Startschuss entgegen – darunter auch sechs Starter der Wohnstätte „Alte Mühle“. In der Einrichtung der Frankfurter Lebenshilfe sind Menschen mit geistiger Beeinträchtigung untergebracht. Und die können es kaum erwarten, schließlich haben sie sich gewissenhaft auf diesen Tag vorbereitet.

Drei Monate trainiert

„Vor drei Monaten haben die Bewohner mit dem Training begonnen“, erzählt Einrichtungsleiterin Diana Lehr. Einen festen Lauftreff gebe es innerhalb der Wohnstätte bis jetzt allerdings noch nicht. Damit niemand auf der Strecke blieb, hatten die Starter der Wohnstätte – zwei davon sogar im Rollstuhl – während des Rennens einen Begleiter an ihrer Seite. Ulrike Nissen, die für die SPD im Bundestag sitzt und unter anderem für Barrierefreiheit zuständig ist, sagte begeistert: „Die Lebenshilfe Frankfurt leistet liebevolle Integrationsarbeit.“ Mit dabei zu sein, sei für die eine Herzensangelegenheit. Um selber mitzulaufen, fehle ihr allerdings das Training. Da hatten ihr die Starter der Wohnstätte „Alte Mühle“ einiges voraus. Sie absolvierten jeweils 2,7 Kilometer. Obwohl es nicht um Pokale ging bei dem integrativen Benefizlauf, war der sportliche Ehrgeiz natürlich da. Mitlaufen konnten Menschen jeden Alters – ob alt oder jung, ob mit oder ohne Beeinträchtigung. Damit wollte der Bergen-Enkheimer Laufclub anlässlich seines 25-jährigen Vereinsjubiläums ein Zeichen für Integration setzen. Insgesamt 140 Sportbegeisterte absolvierten am Enkheimer Ried Distanzen zwischen 500 Meter und zehn Kilometern. Florian Schädel, der seit einigen Monaten in einer ambulant betreuten Wohnung der Frankfurter Lebenshilfe lebt, fasst das Konzept treffend zusammen: „Hauptsache man ist dabei und hat Spaß.“ Ob man Erster oder Letzter wird, sei völlig egal. Der Erlös kommt der Wohnstätte „Alte Mühle“ der Frankfurter Lebenshilfe zugute. Hier wohnen 22 Menschen mit geistiger Beeinträchtigung. Drei Gruppen gibt es. Einen selbstständig organisierten Volkslauf dieser Art hatte der Bergen-Enkheimer Laufclub zum ersten Mal organisiert. Man habe anlässlich des 25-jährigen Bestehens etwas Besonderes machen wollen, erklärte Ulrich Cremer, Leiter des Organisationsteams. Doch das sei gar nicht so einfach gewesen: Hier in der Umgebung gibt es so viele Laufveranstaltungen. Anlässlich unseres Jubiläums wurde uns diese Veranstaltung aber ausnahmsweise genehmigt“, sagte Cremer. Und genau aus diesem Grund werde der integrative Benefizlauf des Laufclubs auch eine einmalige Angelegenheit sein. Insgesamt fanden gestern vier Läufe zwischen 0,5 und 10 Kilometern Laufdistanz statt. Zuerst liefen die Teilnehmer der 5- und 10 Kilometer-Strecke. Anschließend gab die Bundestagsabgeordnete Ulrike Nissen den Startschuss für den integrativen Lauf über 2,7 Kilometer, der speziell für die Menschen mit Beeinträchtigung gedacht war.

25-jähriges Jubiläum

Der Verein Bergen-Enkheimer Laufclub ging vor 25 Jahren aus einer Abteilung der Eintracht Frankfurt hervor. Den Gründer Wolfgang Schadt hatte es gestört, dass es innerhalb der Eintracht nur wenig organisierte Läufe gab. So entschloss er sich einen eigenen Verein zu gründen. Eine Erfolgsgeschichte, wie sich herausstellte. „Am Anfang waren wir 20 Hobbyläufer, die im Wald rumgelaufen sind und von den Menschen belächelt wurden“, erinnert sich Cremer. Heute gehören 72 Vereinsmitglieder zum BELC.

Fotos vom Benefizlauf sind in unserer Galerie: http://www.belc89.de/galerie.html?g=galerie-galerie-benefizlauf

Ergebnisse des Benefizlaufes auf unserer Ergebnisseite: http://www.belc89.de/ergebnisse.html


Bericht von Alfred Traue


Einleitung bzw. Entstehung

Es sind jetzt über 2 Jahre her, als sich bei einer Vorstandssitzung ein Gedanke herauskristallisierte, das 25-jährige Vereinsjubiläum mit der erstmaligen Ausrichtung eines Volkslaufes zu begehen. Die Entscheidung für die Umsetzung nach einer eingehenden Machbarkeitsstudie erfolgte umgehend. Schnell wurde in der Lebenshilfe Wohnstätte Alte Mühle ein Partner für den Benefizlauf gefunden. Diese Wohnstätte ist eine Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung. Schon bei der ersten Begegnung vor Ort konnte man feststellen, dass das gesamte Team in Form von Betreuern und den geistig Behinderten den Tag des Geschehens, dem 28. September 2014 mit Spannung entgegen sehen werden. Nach der positiven Durchführungsstudie erfolgte seitens des Vereines der logistische Aufbau der für diese Sportveranstaltung notwendigen Arbeiten. Das aus 3 Personen gebildete Organisationsteam legte die Grundzüge für für ein reibungslosen Ablauf dieser uns gestellten Aufgabe. Ein großes Lob muß hier den Vereinsmitgliedern ausgesprochen werden. Fast 50 Sportlerinnen und Sportler unserer 70 Mitglieder erklärten sich sofort bereit, in den mittlerweile gebildeten Teams eine Aufgabe zu übernehmen. Alles in allem eine überwältigende Identifizierung mit dem Bergen-Enkheimer Laufclub sowie den Bedürfnissen der Lebenshilfe. Nachfolgend Bericht aus dem Blickwinkel der 3 für diese Veranstaltung gebildeten Organisationsteams. Team Strecke und Streckenposten.

a.) Entwicklung

Hierfür mußte mit die meiste Vorarbeit investiert werden. Es gestaltete sich absolut nicht einfach, eine behindertengerechte Strecke für die Teilnehmer der Lebenshilfe zu finden. Da auf jeden Fall Rollstuhlfahren zu den Teilnehmern gehören würden, durfte die Distanz nicht größer wie 3 Kilometer betragen und eben sein. Sehr schnell bot sich unsere Hausstrecke im Enkheimer Wald an. Als erstes wurde mit einer GPS Uhr die Teilstücke der gesamten Waldwege in einer CAD Zeichnung auf den Meter genau erfasst. Von den mehreren Variationen einigte man sich im Verein auf eine 5 Kilometer Basisrunde. Aus dieser entwickelte sich der 10 Kilometer Jubiläumslauf mit 2 Runden und der Jedermannlauf mit Walking auf einer Runde. Somit konnte dann aus der 5 Kilometer Runde durch Verkürzung eine wunderbare um das Enkheimer Ried führende 2,7 Kilometer Runde für Teilnehmer der Lebenshilfe und Schüler festgelegt werden. Der 0,5 Kilometer Bambini Wendepunkt Kurs stellte uns zum Schluss nicht vor eine unlösbare Aufgabe.

b.) Umsetzung

Einige Wochen vor dem 28. September erhielt jeder Streckenposten eine Zeichnung mit den eingetragenen Namen. Jeder der 17 Einweiser hoffte auf ein postenfreundliches Spätsommerwetter. Ulrich Cremer, Pasquale Davide und Alfred Traue verließen um 7:30 Uhr MEZ denn Treffpunkt Turnhalle Riedschule, bepackt mit allen Utensilien, welche für eine Streckenpräparation notwendig waren. Begeistert waren alle 3 von der Atmosphäre beim Sonnenaufgang und den steigenden Nebeln über Bischofsheim. Caspar David Friedrich hätte sofort von dieser romantischen Kulisse ein Bild gemalt. Nach Fertigstellung der Streckenführung ergab eine abschließende Rundfahrt das Ergebnis, die Streckenposten leider leicht frierend stehend oder sitzen vor Ort anzutreffen. Wie der Verlauf der Veranstaltung zeigte, machten Ana Benavent, Petra Urban, Andrea Wagner, Familie Schmidt/ Schwarz, Christa und Hans Kehr, Uwe Hahn, Pasquale Davide, Walter Nagel, Ute Rühl, Moritz Fay, Antje Neuber, Dorothee Faißt und Line Kjos Perlet ihre Sache nicht nur exzellent, sondern zeigten sich bei Streckenänderungen sehr flexibel und halfen nach Beendigung aller Läufe beim wichtigen Rückbau der Strecke mit. Team Start, Ziel, Zeitnahme sowie Team Verpflegungsstelle und Sanitätsdienst Für diesen Bereich wurde am Dammweg, dort wo sich 3 Wege treffen (sogenanntes Enkheimer Bermuda- oder Gleisdreieck), der ideale Platz gefunden. Er bot auch Zuschauern und Betreuern zur Entfaltung ausreichend Platz. Da zur Aufgabe der Streckenfestlegung die Definition von Start und Ziel gehörte, mußte sich dieses Team nur der Gestaltung des den Strecken angepassten Zielkanales mit den Absperrungen sowie den Aufbau der Vorrichtungen für die elektronische Zeitnahme beschäftigen. Das eigens dafür entwickelte Zeiterfassungsprogramm bestand 2 Wochen vorher zu 100 Prozent seine Funktionalitätsprüfung. Nach 45 Minuten war der Aufbau abgeschlossen. Denn eine von der Zahl her nicht kalkulierte Laufgemeinschaft für den 5 Kilometer Jedermannlauf und Walking fingen an, dem Start entgegen zu fiebern. Der 5er war mit über 60 Teilnehmern bestbesuchtester Lauf. Nach kurzer Ansage über das Megaphon von Manfred-Christian Fay erfolgte pünktlich um 9:00 Uhr der Start. Ein Begleitfahrrad vornweg mit Sören Hommel und das Besenrad mit Manfred-Christian Fay hinterher. Die Strecke war perfekt präpariert, die Streckposten genau da, wo sie hingehörten und die Läufer begeistert über den Rundkurs . Ähnlich war die Resonanz der Teilnehmer über die 10 Kilometer. Viele bedauerten, dass diese Veranstaltung nur eine einmalige Angelegenheit seien. Prominenter Besuch erhielten wir in Person der Bundestagsabgeordneten Ulrike Nissen, welche es sich nicht nehmen lies, um 11:10 Uhr den 2,7 Kilometer Benefizlauf mit den Menschen mit geistiger Behinderung der Lebenshilfe zu starten. Unser Vereinsmitglied Dr. Martin Abesser konnte von einer absolut verletzungsfreien Veranstaltung sprechen. Er hatte somit Zeit, fast schon professionell die jeweils einlaufenden Sportler anzufeuern. Es herrschte eine unglaubliche Atmosphäre, speziell als die Teilnehmer der Lebenshilfe sich dem Ziel näherten. Welche Freude war diesen Menschen in das Gesicht geschrieben. Mark Meyer sagte jeweils die Startnummer an und Steffen Schwarz notierte dies durch Tastendruck im Computer. Als der Bambinilauf um 12:15 Uhr und somit die ganzen Laufwettbewerbe abgeschlossen waren, traten alle mit Stolz die von Erhard Österreicher und Timo Wagner im Ziel umgehängten Medaillen den Weg zur „Gaststätte“ Turnhalle Riedschule an. Ein wunderbares Bild bot die 5 köpfige Familie Stier namens Silvia, Melina, Marcel, Daniel und Reinhard, welche an der Verpflegungsstelle jedem Bedürfnis nach Wasser erfolgreich nachkommen konnten. Im Rücken das Wasser des Enkheimer Riedes, vor sich Hassia Spezial (0 CO2 lastig), da konnte nichts schief gehen. Team Sporthalle Riedschule Bei Hanna und Ulrich Cremer beendete der Wecker an diesem Sonntag um 5:30 Uhr die Nachtruhe. Sie gehörten wie Terrence Troesch zur Hallen Teamleitung. Glücklicherweise erfolgte am Tag zuvor die Anlieferung der Tische und Stühle. Diese wurden dann mit Hilfe der mittlerweile eingetroffenen zusätzlichen Helfer Pia Brehm, Alfred Stollberg, Tobias Cremer, Karsten Frerichs, Oliver Scheunig, Maren Bankwitz, Manfred und Rosi Wetzel, Doris Pflug in die richtige Positionen gebracht. Wolfgang Darmstädter war für die vom HR entliehene Beschallungsanlage zuständig. Für das gesamte BELC Helferteam begann um 7:00 Uhr der Ernst des Benefizlaufes. Keiner wußte so richtig, mit wie viel Personen zu rechnen war. Nach einer wärmenden Tasse Kaffee wurde das Strecken- und Start-/ Zielteam in den Außenbereich entlassen. Nach und nach trudelten die ersten Interessenten für den um 9:00 Uhr zu startenden 5 Kilometer Jedermannlauf ein. Vor- bzw. Nachmeldung, Kasse und Buchführung per Computer freuten sich über jeden zahlenden Eintretenden. Alfred Stollberg öffnete sofort für jeden geräuschvoll mit strengem Blick den Deckel der grünen Kasse. Schon kurze Zeit nach Saalöffnung zeigte sich, dass bei nun einsetzendem fantastischem Wetter die Veranstaltung ein voller Erfolg werden mußte. So kam es auch. Die Teilnehmerzahlen bewegten sich in vorher nicht kalkulierbarem Rahmen. Nach den Wettkämpfen kamen die Sportlerinnen und Sportler zum gemütlichen Beisammensein oder auch Fütterung der Raubtiere sowie anschließenden Siegerehrungen in den Außenbereichen der Turnhalle zusammen. Das Verweilen sorgte für einen sehr guten Umsatz in der Gastronomie. Unser sportlich so erfolgreicher Heinz Pflug war ausgestattet mit diversen fotografischen Geräten. Ihm sind die sehr guten und teilweise spontanen Aufnahmen zu verdanken. So ging auch dieser Tag zu Ende. Überall sah man bei den Vereinsmitgliedern, Teilnehmern der Lebenshilfe sowie den Läufern und Läuferinnen nur zufriedene Gesichter. Oft wurden wir gefragt, ob dies nicht eine dauerhafte Einrichtung werden könnte*. Unser Dank gilt den Sponsoren und Unterstützern: Frankfurter Sparkasse 1822, Bäckerei Lerch in Bischofsheim, Wacker`s Kaffee, Metzgerei Völp in Seckbach, Auto Jörg in Bad Vilbel, Ing. A. Neumeister & Schnierle GmbH, Autohaus Krah-Enders GmbH, Max und Moritz Hähnchengrill, Hoffner Kreativ, Frankfurter Volksbank, Techniker Krankenkasse, Ortsbeirat Bergen-Enkheim sowie den vereinsinternen Zuwendern. Ohne diese freundlichen Unterstützungen hätte die Veranstaltung zum 25-jährigen Vereinsjubiläum nicht stattfinden können. Der Bergen-Enkheimer Laufclub hat bei diesem Projekt bewiesen, dass er nicht nur sportliche Meriten aufweisen kann, sondern auch gemeinsam ein Projekt wie den absolvierten Benefizlauf ohne Fehl und Tadel über die Bühne bringen kann. Vielleicht ist dies ein Ansporn für Freunde des Laufsportes, sich uns bei den Runden durch den Enkheimer Wald anzuschliessen. Wir freuen uns auf jeden neuen Teilnehmer. Plattfüße sollte er nicht haben.

Wir werden uns für die nächsten deutschen Bezirksmeisterschaften bewerben.